Lexikon für die Sprache am Wiener Würstelstand

Wiener Lexikon für den Würstelstand auf Planative.net - Pic by Charly_7777 auf pixabay.com
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Die österreichische Kulinarik ist ein historischer Mix aus kulturellen Einflüssen. Als ewiges Durchzugsland und Monarchie der unzähligen Ethnien konnte man so die Kochbücher des Landes mit den aufregendsten Rezepten füllen. Oft haben echte Wiener Klassiker ihren Ursprung in unerwarteten Episoden der Geschichte. So sollen der Legende nach die bekannten Kipferl aus der Zeit der Türkenbelagerung Wiens stammen. Der islamische Halbmond hätte den Bäcker Peter Wendler 1683 inspiriert. Die Tatsache, dass Herr Wendler jedoch bereits 1680 starb, lässt Zweifel offen.

Kulinarik wird in Österreich gelebt

Wenn sich die Österreicher generell und die Wiener im Speziellen auf ein kulinarisches Kleinod eingeschossen haben, dann wird dieses bis zum Exzess verfeinert und weiterentwickelt. Wir haben von der unendlichen Vielfalt der Kaffeekultur Wiens berichtet, welche der Italienischen um nichts nachsteht. Essen wird aber auch gelebt. Oft wird die Kulinarik derart gelebt, dass eine eigene Sprache entwickelt wird, bestes Beispiel sind die Wiener Würstelstände.

Wiener Würstelstand mit langer Geschichte.

Was Ray Kroc erst 1955 mit Mc Donalds lernte, das hatten die Wiener schon im 17 Jahrhundert heraußen. Als Bratlbrater zogen Fastfoodbuden zu Markt- und Kirchfesten und bereiteten Würste zu. Anfang des 19 Jahrhunderts wurden sie von der Vereinigung der Selcher anerkannt und betreiben seitdem offiziell ihr Gewerbe. Noch während der Zwischenkriegszeit in den 1920ern und 1930ern waren die dann genannten Würstelmänner in ganz Wien mobil. Aufgrund des dadurch begrenzten Kochequipments wurden in erster Linie aufgebrühte Wurstwaren und Getränke serviert.

Eine eigene Sprache am Würstelstand

Schon damals trafen sich die meisten gesellschaftlichen Schichten am Würstelstand, obwohl dort vorrangig für die manuell arbeitende und schlechter verdienende Bevölkerung (den sogenannten Hacklern) gekocht wurde. Es entwickelte sich bald eine Subkultur mit eigenen Ausdrücken.

Die meisten der heute bekannten Ersatzworte für diverse Nahrungsmittel sind Kunstkreationen. Nur wenige dieser Ausdrücke verwenden echte Wiener wirklich. Als Tourist sollte man daher eher zögerlich mit der Wortwahl umgehen. Dennoch lesen sich die meisten Begriffe unglaublich witzig, sofern man dem Wiener Dialekt mächtig ist.

WWW – Das Wiener Würstelstand Wörterbuch

Hier eine Auflistung der bekanntesten Begriffe der Sprache am Wiener Würstelstand, damit ihr auch wirklich die Wurst Spezialität bekommt, die ihr bestellt!
(ACHTUNG! Obszönitäten nicht ausgeschlossen)

Speisen

  • Burenwurst – Burnhäutl, Haaße
  • Burenwurst (extra groß) – A Knia*
  • Brotanschnitt – Bugl, Scherzerl
  • Brötchen mit Mittelfurche – Baunzerl, Futsemmerl
  • Erdnüsse – Aschanti
  • Frankfurter, (Wiener) ein Paar. – a Paarl Glotte
  • Käsekrainer – a Eitrige
  • Ketchup – Bluat
  • Kancker / Knackwurst – Beamtenforelle
  • Krenn (Meerrettich) – a Griebaner
  • Pferdeleberkäse – Ana vom Pflostahirsch
  • Pfefferoni mild – a Öliche
  • Pfefferoni scharf – a Gspitzta, Oaschpfeiferl
  • Salzgurke – Krokodü
  • Perlzwiebel – Glasaug, Mottnkugeln, Liebeskugeln
  • Senf scharf (Estragon) – a Schoafa
  • Senf süß (Kremser) – aG’schissener, a Griaslata, a Siassa
  • Mancherorts erhältst du noch Meterwürste, die in ihrer Länge pro 200g an eine Stange gewickelt sind. Bestellst du eine größere Portion, wird um die Wicklung beziehungsweise Aufhängung herum geschnitten und man erhält den Knick, also das Knie der Wurst dazu.

Getränke

  • Bier in der Dose – Hüsn, Blechweckerl
  • Limonade kohlensäurehältig – Kracherl, Aamasenwosser, Tschopperlwasser
  • Ottakringer Bier , Dose – Sechzehner Blech
  • Schwechater Bier, 0,5l – A hoiba Flughafen
  • Schnaps nach dem Essen – a Drüwastrahra
  • Wein (ungenießbar) – Rabiatperle, Heckenklescher
  • letztes Getränk – A „Pfiat Gott Lackerl“

nützliches Vokabular rund um die Kulinarik:

  • Betrunkener – Eigspritzter
  • sich einen antriken – si an anschraufn / anzichtn
  • essen – habern
  • sich bekleckern – si ontrenzn
  • Bauch eines wohlgenährten Menschen – Backhendlfriedhof

Für Anregungen und Hinweise zur Erweiterung dieser liebevoll kuratierten Liste stehen wir jederzeit interessiert zur Verfügung 🙂