Warum Napoleons letzte Schlacht kein Waterloo war

Napoleons Butte De Lion in Waterloo
Napoleons Butte De Lion in Waterloo

wir waren auf dem Weg von Luxemburg nach Brüssel. L dachte sich, es wäre eine besondere Herausforderung, auf die moderne Navigation der mobilen Technologie zu verzichten und stattdessen auf altbewährte Reiseleitermanuskripte zurückzugreifen, die Bibel ihres Vaters, ein abgespeckter ÖAMTC (ADAC) Guide für Busreiseveranstalter. Das Herzstück dieser Guides waren Ausflugstipps entlang von europäischen Hauptverbindungsrouten, entweder um eine längere Reise spannender zu gestalten, oder bei Stau und Autobahnblock einen Plan B aus dem Ärmel zu zaubern. Echt coole Sache für ungeplante Roadtrips – leider habe ich noch keine online Version dazu entdeckt. Sobald ich darüber stolpere, wird berlinkt – echt old school.

Wir fahren nach der Landkarte

Wir passierten also eine Autobahnortschaft namens Goumont, als L plötzlich ausrief. „Hier wurde er besiegt, der kleine Napoleon, da war das Schlachtfeld!“ „War das nicht in Waterloo?“ „Doch, doch aber hier müssen wir runter, da gibts sogar ein imposantes Monument. Steht hier im Guide – lass uns mal abfahren!“

Gesagt, getan, ich zerrte am Lenkrad und nahm die nächste Ausfahrt, bis ich vor einem begrünten Krauthügel stand, auf den ein Löwe gepflanzt wurde – dem Butte de lion. 390.000 Kubikmeter Erde und eine 31 Tonnen schwere Bestie gedenken an den exakten Ort wo… Nein, nicht wo Napoleon seine Hosen runterließ, sondern wo sich eine Musketenkugel in die Schulter des heldenhaften  Prinz von Oranien, Wilhelm II bohrte und ihn vom Pferd zwang. Das Monument befindet sich auch tatsächlich nicht in Waterloo, sondern im Örtchen Braine-l’Alleud.

Napoleons Butte De Lion in Waterloo
Napoleons Butte De Lion in Waterloo

Was bedeutet der Löwenhügel?

Einer Legende zufolge wurde die Statue, zu der 226 Stufen hochführen, aus den Waffen, die die Franzosen angsterfüllt zurück ließen, gegossen. Um sich von der Qualität holländischer Gießereien der frühen 1820er zu überzeugen, heißt es aber zuvor im kleinen Visitor Center €9,– zu berappen, also 4 Cent für jede Stufe. Von dort oben lässt sich das gesamte Schlachtfeld überblicken, wo sich einst Truppen grausamt gegenüberstanden.

Butte De Lion oder Der Löwenhügel von Waterloo als Andenken an die Schlacht Napoleons
Butte De Lion oder Der Löwenhügel von Waterloo als Andenken an die Schlacht Napoleons

Ist es den Aufstieg zum Waterloo Löwen wert?

Wir ersparten uns den Aufstieg überließen den ausschließlich britischen Kriegstouristen die Treppe, kramten unser festes Schuhwerk aus dem Kofferraum und spazierten ins Grüne. Definitiv die bessere Entscheidung, wie sich herausstellte. Die Landschaft zieren einige Wanderwege und Schautafeln, die verortet Aufschluss auf das Kriegsgeschehen geben. So lässt sich erahnen, wie strategisch die Heerscharen der Franzosen, Niederländer, Engländer und Preußen einst vorgingen. Vom Hügel aus lassen sich Topographie und schützende Erdwälle nur schwer ausnehmen, sagte man uns. Im Rücken hatten wir immer die stechenden Augen des mächtigen Löwen, der zu spannenden Fotoaufnahmen einlädt. Abschließend lässt sich in 500m der Hügel umkreisen. Wenn auch teilweise durchs sichtschützend gepflanztes Gestrüpp, am matschigen Feldrain und am Maschendrahtzaun entlang. Da der 5m hohe Löwe aber auf seinem 43m hohen Plateau thront, ist dieser immer und aus jedem Winkel in seiner vollen Pracht zu bestaunen.

Butte De Lion oder Der Löwenhügel von Waterloo als Andenken an die Schlacht Napoleons
Butte De Lion oder Der Löwenhügel von Waterloo als Andenken an die Schlacht Napoleons
Butte De Lion oder Der Löwenhügel von Waterloo als Andenken an die Schlacht Napoleons
Butte De Lion oder Der Löwenhügel von Waterloo als Andenken an die Schlacht Napoleons

€5,60 unserer gesparten €18,00 investierten wir in 2 Café au lait auf der sonnigen und leeren Terrasse des Café Wellington neben dem Visitor center. Scheinbar handelte es sich bei der Britengruppe um Schotten und der optionale Kaffe war nicht im Voraus bezahlt…

Der alliierte Duke von Wellington äußerte sich übrigens Gerüchten zufolge nach dem Bau not very amused. Die Bauarbeiten und die Erdbewegungen für den Hügel selbst zerstörten „sein“ gesamtes Schlachtfeld. Wenn der bloß wüsste, dass der Schauplatz heute bewirtschaftete Agrikultur und eine dreispurige Autobahn beherbergt…

Unser Tipp:

ansehen, um sich die Beine nach langer Fahrt zu vertreten und historisch wertvolle Infos zu sammeln. Wenn einem es ausreicht, das Waterloo Panorama auf Youtube virtuell zu besuchen, dann kann man sich die €9,– getrost sparen.

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