Der einzig wichtige POI in Antibes

Der Marche Provencial in Antibes, Frankreich - © Planätive
Der Marche Provencial in Antibes, Frankreich - © Planätive
Bauernmarkt in Antibes, die einzig wichtige Sehenswürdigkeit vor Ort, Bild: provence-guide.net

Ist man nicht gerade Brite mit dem nötigen Taschengeld für ein Sommerdomizil an der Côte d’Azur, kommt man eher seltener in Berührung mit dem Küstenstädtchen Antibes, zwischen Nizza und Cannes. Und falls doch, dann ist man eher auf der Durchreise oder haltet aufgrund außergewöhnlicher Umstände, als am planmäßigen Ziel eines mehrwöchigen Badeurlaubs. So auch in unserem Fall.

Wir sind zu einer englisch-österreichischen Hochzeit geladen, irgendwo im Hinterland der Alpes-Maritimes. Treffpunkt zum familiären Gelage im Vorfeld: “Antibes”. Wir planen, den Flieger nach Nizza zu nehmen, mit dem Taxi nach Antibes und per Mietwagen in den Outback zu kutschieren. Für den Abend vor der Hochzeit sollen wir Tracht mitnehmen, “das wär doch witzig!” teilt man uns mit. Unser Koffer sieht das anders. Bei Lederhosen, Dirndl, Anzug, Cocktailkleid, Wäsche für 1 Woche (für Schön- und Schlechtwetter, es ist Ende September…), Geschenke, etc. platzt der Verschluss unseres Gepäcks und vermutlich auch die Freigepäcksgrenze der Lufthansa. WIR FAHREN. 11h 24min ohne Pausen sagt das Navi, Unter 11h mit Pausen sage ich und brenne eine Zeit von 10h 57min in den Asphalt, was ein Strafmandat über €600,- der Polizeidirektion Salzburg zur Folge hatte. Radarboxen blitzen auch Nachts!

Total geschafft in Antibes angekommen, ist unser erster Stopp das Hotelbett, dem L. und ich die nächsten Stunden vollste Aufmerksamkeit schenken. Dadurch verpassen wir die Möglichkeit, sämtliche Schätze und Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besichtigen – und wenn es bloß das Absinthe Museum gewesen wäre. Es ist bereits früher Abend und man textet uns, in die Cours Masséna zu kommen, es seien schon “alle” hier – wir googlen und folgen.

Marché Provençal am Abend

Am Zielort, einer der Quai Promenade parallel verlaufenden Straße, inmitten der Altstadt stehen wir vor einem hellbeleuchteten und mit antiquierten Stahlkonstruktionen überdachtem Platz, der einer alten Bahnhofshalle gleicht. Über dem regen Treiben des Abendgeschäfts in den Rastaurants hängt ein Schild: “Marché Provençal” Ein Lokal reiht seinen Gastgarten mit einfachen Plastikstühlen und karierten PVC Tischtüchern an das Nächste und wir orientieren uns am wechselfarbigen Gestühl, welches ein Bistro vom Anderen unterscheidet. Wir finden unsere Briten-Combo und schlagen die Speisekarte auf. Die Auswahl ist kurz gehalten, da ausschließlich der Fang des Tages auf den Tisch kommt – Etwas Seafood, ein paar Fischlein, Schnecken und sonstiges mehrbeiniges Getier – dazu ein vorzüglicher Roter als Tischwein.

Der Marché Provencal am Abend, gesäumt von Restaurants, Bild: provence-guide.net

Die Atmosphäre ist sensationell. Trotz fabriksähnlichem Neonlicht, unhygienischem Taubengeflatter und lautstarker Marktplatzakustik sprüht der Ort einen einzigartigen Charme aus. Quirlige Kellner mengen sich unter kreative Schausteller und planlose Touristen. Das Essen in ausreichend großen Portionen ist zum Niederlegen und der Wein wirkt auf unsere Synapsen. Da wir kein Frühstück im Hotel reserviert haben, beschließen wir morgen Früh wiederzukommen.

Marché Provençal am Morgen

10.00 Uhr morgens wir kommen um zu Essen. Der Marché sieht heute ganz anders aus. Noch mehr Menschen, die Restaurants sind vielen kleinen Ständen mit regionalen Spezialitäten gewichen. Wir sind etwas enttäuscht aber auch interressiert, was hier geboten wird. Ein typischer Bauernmarkt mit unzähligen Kostproben von Käse, Oliven, getrockneten Tomaten, Gewürzen… erstreckt sich vor uns. Wir kosten uns durch, holen uns Appetit und beschließen unseren Tag mit Tomme de Chévre und Tarte aux fruits auf einer Bank an der Promenade zu beginnen. Tolle Sache – Regionalität hat aber auch ihren Preis: Ein Plundergebäckchen mit Durchmesser von 3-4cm: €3,00, Kilopreis des Schafskäses: € 28,00, nicht schwach!
Ein Einheimischer rät uns, zukünftig vor 09.00 Uhr zu kommen, da würden die Touristen noch schlafen und es wäre angenehmer über den Marktplatz zu schlendern. Außerdem deutet man uns an, es wäre finanziell von Vorteil, in akzentfreiem Französisch immer etwas nachzuverhandeln. Dass wir Touristenpreise bezahlten, möchten wir niemandem unterstellen.

Der Marché Provencal am Morgen – ein klassischer Bauernmarkt, Bild: rivierakitchen.com

Marché Provençal am Nachmittag

An der Promenade ist es derart gemütlich, dass wir die Zeit vergessen und uns erst wieder gegen 13.00 Uhr aufbegeben. Unser Retourweg führt abermals durch den Marché Provençal, wo nun die Stände wieder ganz anders aussehen. Kein Metzger, kein Fromage und auch kein eingelegtes Gemüse ist mehr zu finden. Die Handwerker und Künstler übernehmen den Platz. Es wird umgebaut, abgerüstet und aufgestellt. Ab 15.00 Uhr kann man seinen Bedarf an Seifen, Düften, Gemälden und Skulpturen decken. Was bleibt uns also übrig, als noch einmal alle Stände abzuklappern und auf den Abend zu warten. Hm was und wo werden wir heute Abend essen? Ach ja! hier stehen doch bald wieder die Gastgärten.

Der Marché Provencal – Ein Künstlerviertel und Handwerksmarkt am Nachmittag, Bild: provence-guide.net

Hat man also bloß einen ganzen Tag Zeit, Antibes zu erkunden, lasst Burgen und Museen links liegen (Ja wir sind Kulturbanausen) und trefft das abwchslungsreiche Leben der franz. Riviera auf dem Marché Provençal bei Tag und bei Nacht. Einkäufe werden schnell sehr teuer, das sind Eintritte für gewöhlich aber auch! Carpe Diem!

Öfffnungszeiten:
täglich von 06.00 bis 21.00 Uhr (Juli-Sept.)
Montags Ruhetag (Okt.-Jun)
27 Cours Masséna, Antibes, France 06600

Welche besonderen Frisch- und Bauernmärkte sind euch schon untergekommen?

Hier findet ihr einen weiteren Eindruck von Antibes von Blogger Chris  und Bloggerin Liese

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