Die ältesten Bierlokale in Prag

Was den Mexikanern ihr Tequila, den Japanern ihre Ramen, den Thai ihre frittierten Entenzünglein, ist den Tschechen ihr Bier. Gut es gibt viele europäische Destinationen, die sich rühmen, Nabel der Bierproduktion zu sein. Allerdings hat man beim Flanieren durch Prags Gassen immer das Gefühl, irgendwo hier muss es gewesen sein. Irgendwo hier ließ wohl ein unachtsamer Mönch seinen Gerstensaft in der prallen Sonne stehen, als er verspätet zum mittäglichen Stoßgebet hastete. Irgendwo hier fand dieser Mönch sein Gebräu wieder, vergoren und prickelnd, süffig und den Wahrhaftigen entfesselnd.

Die Geschichtsbücher lehren uns, dass in Wahrheit bereits 4.000 Jahre zuvor Mesopotamier bierbesoffen in den Tigris pinkelten und schaler Hopfentee selbst starke Wikingermänner aus Flake aus die Ledersandalen beförderte. Aber, wie sonst lässt es sich erklären, dass sich so viele Tavernen und Pubs in Prag aneinander reihen, die tschechische Bierkultur eine der ursprünglichsten und der pro Kopf Bierkonsum hier der Höchste der gesamten EU ist? (Mit Stolz blicke ich als Österreicher auf unsere Silbermedaille). Die Wurzel der Bierkultur muss doch wohl hier in Tschechien begraben sein…

Wo also hatte Prags Wirtshaustradition seinen Anfang? Wo floss der erste kommerzielle Tropfen Gerstensaft die Kehle hinunter und wo rückten die ersten Prager Bierpanscher auf den Plan? Einige Lokale behaupten von sich “das Älteste” zu sein, zwei davon vehement:

U Fleků – die fade Art Tradition zu genießen

Das Lokal mit der großen Uhr vorm Haus. Als sich Vasco da Gama rund um Afrika nach Indien kämpfte, gingen es die Prager gemütlicher an und errichteten dieses Bierlokal, wo bis zum heutigen Tag das ursprüngliche Gebräu ausgeschenkt wird.

Copyright: Paul Raven,http://www.panoramio.com/photo/806559
Copyright: Paul Raven,http://www.panoramio.com/photo/806559

Aufgrund der günstigen Lage exakt im Dreieck Altstädter Platz –  Wenzelsplatz – Karlsbrücke stolpert so ziemlich jeder Tourist über diese Kneipe. Holzvertäfelte Bierräume mit großen, einfachen Tischgarnituren sowie eine großzügige Schenke erinnern an bayrische und österreichische Wirtshäuser. Die permanente Folklore Live Musik ist zum Mitsummen bekannt, die Kastanienbäume im Gastgarten sehen aus wie zuhause. Im Osten nichts neues, also! Was das Lokal aber vom Münchner Hofbräuhaus unterscheidet, sind die Preise. Das 20 Liter Fass kommt auf 1.499,- Kč (€57,00) für all jene, die einen Junggesellenabschied oder Singlemännerausflug planen. Dazu bodenständige Küche mit böhmischen Knödeln, deftigem Braten, massiven Portionen Kraut zum Preis einer Weißwurst auf der Wiesn.

Wer sich also geflegt inmitten unzählbarer Touris im Massenabfertigungstempo vollpumpen möchte, ist hier gut aufgehoben.

U krále Brabantského – die abartige Art, Bier zu genießen.

Die Tafel vor der Tür gibt an, dass hier der Wirt schon 24 Jahre vor dem U Fleků “Ozapft is!” gerufen hat. (Die Website datiert die Vernissage gar noch 100 Jahre früher auf 1375). Nicht minder touristisch perfekt gelegen findet man die Schenke Brabant direkt am „Krönungsweg“ unter der Prager Burg, westlich der Moldau und ist laut Betreiber von zahlreichen Sagen und Legenden umwoben. Mozart habe hier 1791 bei seinem letzten Augenschließer-Bier zufällig die kleine Nachtmusik komponiert. Als Mozartstädter weiß ich aber aus zuverlässiger Quelle, dass 1791 die Nachtmusik bereits 3 Jahre lang als Gassenhauer an Europas Höfen auf und abgeleiert wurde.

Das Brabant - Eines der ältesten Bierlokale in Prag
Das Brabant – Eines der ältesten Bierlokale in Prag

Ob die staubige Deko gensauso authentisch, wie die Mozartstory ist, lässt sich schwer bezeugen. Im schummrigen Kerzenschein starrt man in leere Augenhöhlen dutzender Totenköpfe, die sich entlang des Kellergewölbes hochstapeln. Das ist mal ein cooles Ambiente und den Spare Ribs und Chicken Wings fühlt man sich gleich viel verbundener. Und das ist ernst gemeint, mittelalterliches Gelage, zubereitet vom Kerkermeister persönlich ist schon eine lustige Sache. Und das leckere Essen schmeckt keinesfalls nach Knast!

Copyright: http://www.krcmabrabant.cz. Spare Ribs, Chicken Wings und Totenschädel – eine eigenwillige Kombination

Leider wird die Atmosphäre abprupt durch aufdringlich schnöden Klamauk zur Nichte gemacht. Halbnackte, muskelbepackte Pyromanen pusten dir ihre Flammenshow entgegen, als ob der Broiler auf dem Teller nicht schon genug gehabt hätte. Von dieser Fetischshow erholt, erkennt man bald, dass es in den vergangenen Jahrhunderten wohl nur einen Schneider gegeben hatte, nämlich den von Jack Sparrow. Als wären sie die Meuterer der Black Pearl nähern sich die Kellner unserem Tisch und ich frage mich, ob das zwischen den Zähnen des einen wohl mein Steakmesser ist. Ich könnte schwöre, ich hab ein Äffchen auf der Schulter des Chef de Rang gesehen, aber vielleicht liegts nur am wirklich günstigen Bier…

Wer auf trashiges Dinner steht, ist hier gut aufgehoben, allerdings wäre etwas authentische Styleberatung hier angebracht – überzeugt euch selbst.

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